Montag, 21. September 2009
21.9.2009 - Seminar mit Deutschlehrerinnen
Sonntag, 20. September 2009
19. und 20.9.2009 - Rundfahrten, Einladungen und Saunas
19.9.2009
Zuerst holten mich Tiiu, ihr Mann und ihre
In Voru machten wir einen Abstecher zur neu angelegten Seepromenade, wo im Sommer am feinen Sandstrand sicher eine Menge los ist. Hier in der Umgebung gibt es noch die Volksgruppe der Setu mit eigenem Dialekt und eigenen Traditionen. Mit einer Anzahl von etwa 8000 Personen sind sie aber im Verschwinden begriffen.
Nach dem Mittagessen fuhren wir dann zum höchsten Berg Estland im Haanja-Naturpark, dem Suur Munamägi. Er war schnell erklommen, denn vom
Den Abschluss bildete ein kurzer Spaziergang zu den Sandsteinhöhlen im ursprünglichen Tal des Ahja-Flusses in Taevaskoja, wo man wandern und Kanu fahren kann.
Bei der Rückreise kamen wir wieder durch Ötepää durch, wo es ein Trainingszentrum für's Langlaufen, eine der beliebtesten Sportarten Estlands, gibt. Jedes Jahr findet in der Umgebung, von wo auch die beiden Weltklasseläufer Andrus Verpaluu und Jak Mae abstammen, ein Langlaufmarathon mit Tausenden Startern aus aller Welt statt.Zu Hause ging ich noch eine knappe Stunde im T-Shirt laufen und wurde um 7 Uhr vom Direktor der Schule abgeholt. Er versteht Deutsch und seine Frau ist D-Lehrerin und Stellvertreterin an einer anderen Schule.
Nach dem Essen ging ich mit dem Direktor in die Sauna und danach plauderten wir noch einige Zeit über die Schule, unsere beiden Länder und dies und das. Bei der Verabschiedung gab mir die Hausherrin noch ein großes Stück Kuchen für das Frühstück mit. ;-)
Das Foto haben wir am SO Vormittag nachgeholt.
20.9.2009
Ein denkwürdiger Tag, denn heute waren wegen des Radmarathons (über 5.000 Teilnehmer!) einige junge Leute beim Frühstück. Um 1/2 12 traf ich mich mit Revo, dem Geschichtslehrer der Schule, zum Radfahren, und Lilia, die D-Lehrerin, brachte mir dankenswerter Weise das Rad ihres Mannes vorbei. Man bemüht sich sehr, mir meinen Aufenthalt angenehm zu machen und mich nicht allein zu lassen.
Tja, man lernt nicht aus. Übrigens, damit ihr wieder ein estnisches Wort erlernt: Prost auf Estnisch heißt Terviseks, was angeblich vom Lateinischen kommt und Prosit heißt. Wenn man aber das Wort zerlegt, dann heißt es Tervis - Gesundheit und Seks - Sex, was ja auch laut Angabe der Esten beides wichtig sein soll.
Freitag, 18. September 2009
18.9.2009 - HS Litschau, Psycholog/innen und Brahms
In den ersten beiden Stunden zeigte ich den 6. Kl. abgesehen von der Powerpoint-Präsentation über Österreich auch das mit meiner Klasse selbstgedrehte Kurzvideo mit dem Rundgang durch unsere Schule, was ebenfalls großen Anklang fand. Nachdem sie auf einem der Fotos die kurze Übung mit dem Kreissitzen (nur auf den Oberschenkel des Nachbarn) gesehen hatten, wollten sie das auch probieren - es funktionierte auch hier.
Neben einigen anderen Übungen mussten die Schüler/innen der 10. Klasse durch Fragen die Person erraten, deren Zettel an ihrem Rücken befestigt war.
Mittwoch, 16. September 2009
17.9.2009 - Powerpoint, Big Boody und Klassen 11 und 12
Dieses Video wollte ich euch nicht ersparen! Jetzt hat nämlich der Upload von der Sängerbühne in Tallinn funktioniert. Da müsst ihr durch!
Heute hatte ich zum ersten Mal die 11. und 12. Klassen und wie auch bei den anderen muss ich sagen, dass sie mich sehr nett und freundlich empfangen haben, wohl auch deshalb, weil so ein
"Eingeborener" sicher eine willkommene Abwechslung darstellt. Das wäre ja bei uns auch nicht anders. Ich konnte mit Powerpoint-Präsentationen über Österreich (etwas Geschichte und Geographie), das Waldviertel und über mich punkten. Besonders lustig fanden sie die Bilder vom Theaterspielen. Aber durch dieses Vorstellen, durch verschiedene Interviews und auch Spiele für die Anfänger (wie z.B. Big Boody - das ist auch hier ein Hit!) ist es doch gelungen, sie ein bisschen zu aktivieren. Sie sind wie unsere Schüler/innen schüchtern, wenn es darum geht sich verbal in einer für sie fremden Sprache auszudrücken.
Um auf den Kommentar von Martin von gestern zu antworten: Natürlich gibt es hier auch Männer, allerdings sind es nur 6 oder 7 im Lehrkörper, davon der Direktor und einer von 4 Vizedirektor/innen. Und die Mädchen sind auch hier ein wenig reservierter als die Jungs, aber man kann sie doch zum Lachen bringen. Generell, egal ob Burschen oder Mädchen ist es schön, positiv aufgenommen zu werden und zu merken, dass ihnen die Stunden gefallen.
Bei der heutigen Lehrerversammlung in einer 20-Minuten-Pause gab man mir die Möglichkeit, mich für die Einladung in die Schule zu bedanken und das Schulsystem und die Kinder und Jugendlichen zu loben. Ich bin dieser Aufgabe gerne nachgekommen, weil das ja auch stimmt, und habe Grüße aus Österreich übermittelt.Wie bereits beschrieben, besteht die Schule aus zwei Häusern, die ca. 10 Min. voneinander entfernt liegen.
Die Schüler/innen können gestaffelt im Speisesaal essen gehen und haben von der 3. bis zu 5. Stunde je 20 Minuten Zeit dafür. Das Essen für sie ist gratis, es gibt abwechselnd Suppe und Dessert, am nächsten Tag einen Braten o.ä. Die älteren Schüler/innen können sogar zweimal essen gehen, wenn sie möchten.
Hier noch ein Relikt aus der Sowjetzeit - die Schulglocke.
Das Wetter ist wieder ausgezeichnet und ich habe ihnen das Sprichwort "Wenn Engel reisen...." gelernt. ;-)
Den Rest des Tages verbringe ich wieder mit Vorbereitungen, Laufen und Lesen.
16.9.2009 - Universitätsstadt Tartu
Als erstes Feedback kann ich anbieten, dass ein ganz schüchternes Mädchen nach der Stunde zur Lehrerin gegangen ist und meinte, es wäre eine sehr interessante Stunde gewesen. Und eine andere D-Klasse hat sich beschwert, warum sie nicht den österreichischen Lehrer hätten. Heute habe ich noch 3 Stunden dazu bekommen - die 12. Klasse der Kollegin, das sind 18-Jährige, die ich morgen kennenlernen werde.
Nach einer Laufrunde fuhr ich in Begleitung von Tiiu mit dem Bus nach Tartu, der ca. 25 km entfernten Universitätsstadt. Zuerst gingen wir zum deutschen Kulturinstitut und
eine Dame zeigte uns die schönen Räume, in denen Deutschlehrer Materialien ausleihen können und es deutsche Filme, Vorträge und Lesungen gibt.Dann trafen wir uns mit Tiius Tochter Helen, die gerade von einer Jus-Vorlesung kam und die es sich nicht nehmen ließ, mich in ausgezeichnetem Englisch durch die Stadt zu führen. Ebenso wie ihre 17-jährige Schwester hat sie ein sehr gutes Gymnasium hier besucht, was man an ihrem umfassenden Wissen, auch um die Stadt Tartu selbst, bemerkt. Sie ist also auch eine der vielen Student/innen der zweitgrößten Stadt Estlands.
Es wimmelt nur so von jungen Leuten und es gibt eine
Interessant ist vielleicht auch, dasss Tartu während der Sowjetzeit jahrzehntelang abgeschirmt war, weil hier ein Militärflughafen war. Erst mit der Öffnung begann sich das Leben zu normalisieren, und wenn auch viele über die niedrigen Löhne klagen, so möchte niemand die alte Zeit zurück.
Hier noch ein Foto vom schönen Rathaus in Tartu.
Dienstag, 15. September 2009
15.9.2009 - Tag 1 in der Elva-Schule
Einige Schüler/innen haben mich schon am ersten Tag, obwohl sie mich noch nicht kannten, auf Deutsch, zumindest mit "hallo", begrüßt.
Ich habe heute 17-jährige und 13-jährige Anfänger sowie 15-jährige gehabt und bis auf eine etwas "besondere" Burschenpartie in der letzten Stunde waren alle durchaus offen, sodass ich sie mit ein paar Spielen ins Gespräch bringen und das Eis brechen konnte. Interessanterweise waren die älteren Schüler/innen weniger gehemmt als die mittleren, die schon 2 Jahre Deutschunterricht hatten.
Bei einem Kurzbesuch im Direktorszimmer wurden mir ein Häferl, ein Estland-Puzzle und ein Estland-Buch (auf E) an Gastgeschenken überreicht, was ich sehr nett fand.
Links die beiden D-Kolleginnen Lille und Tiiu und rechts der Direktor der Schule, der auch ein wenig Deutsch kann.
Montag, 14. September 2009
14.9.2009 - Botschaftsempfang, Konferenzen, Nationalbibliothek und Zugfahrt nach Tartu
Nach dem wirklich schönen Wochenende beginnt nun die Arbeit.

Heute waren wir am Vormittag zu Gast in der österreichischen Botschaft, wo es in verschiedenen Vorträgen um das estnische Bildungssystem, D-Unterricht an den Schulen, bilingualen Unterricht (v.a. russisch / estnisch) und den Verband der D-Lehrer/innen Estlands gab.
Auf dem Foto: Die österreichische Delegation mit der äußerst netten Botschafterin Dr. Angelika Saupe-Berchtold.
Vielleicht an dieser Stelle für die interessierten Kolleg/innen ein paar Fakten (die anderen können ja weiter unten fortsetzen):
-) Die "richtige" Schule beginnt für die Kinder mit 7 und sie bleiben bis 16 gemeinsam in den Klassen (Kl. 1.-9.). Wer möchte, und das tun 60%, geht weiter bis zur 12. ins Gymnasium.
-) Die Zentralmatura gibt es hier schon 11 Jahre und auch die Schüler/innen, die mit 16 aufhören, machen eine zentrale Abschlussprüfung.
-) Alle Lehrer/innen haben eine Fortbildungspflicht von 150 Std. in fünf Jahren (= 30 p.a.)
-) Die Schulen genießen eine extrem hohe Autonomität: Die Schule stellt den eigenen Lehrplan zusammen, kann ein eigenes Benotungssystem einsetzen, sie hat einen eigenen Budgethaushalt und Mitarbeiter, inkl. Lehrer/innen, werden vom Direktor angestellt.
-) Ab der 6. Klasse (12, 13 J.) lernen die Schüler/innen eine 2. Sprache, mit 16 eine dritte.
Apropos Sprache: Im Estnischen gibt es aufgrund des deutschen Einflusses in der Geschichte etwa 10% an Lehnwörtern, wie z.B. mütz, saal, klass, trepp, printsess, pirn, supp, eesel, kleid, buss,....
Gesprochen wurde auch über das etwas belastete Verhältnis zur russischen Bevölkerungsgruppe, von denen viele trotz der langen Zeit noch immer nicht estnisch können. Nachdem sich das auch auf die Kinder auswirkt, ist eines der Bildungsziele, dass in den nächsten Jahre alle Schüler/innen estnisch so weit beherrschen, dass sie zumindest B1-Standard oder höher haben. In manchen Teilen Estlands, wie im Nordosten, wo es noch mehr Industrie gibt, ist das Verhältnis Russen zu Esten genau umgekehrt, nämlich 80:20, was natürlich einige Probleme mit sich bringt. Aber es wird daran gearbeitet und bedarf sicher noch einiger Zeit.
Auf dem Bild seht ihr meine Kollegin Krista, mit der ich im 2. Teil meines Aufenthalts zusammen-arbeiten werde. Sie ist die Vorsitzende des Verbandes der estnischen Deutsch-Lehrer/innen.
Am Nachmittag waren wir noch in der Nationalbibliothek, wo wir eine Führung hatten und uns den österreichischen Lesesaal ansehen konnten. Ja, so etwas gibt es da, ich habe in einem Buch sogar ein Bild von Heidenreichstein gesehen und sofort stolz hergezeigt.
Anschließend fuhr ich mit einer Mitarbeiterin des Bildungsministeriums, Frau Katrin Rein, die alles für unseren Aufenthalt perfekt organisiert hatte, mit dem Zug nach Tartu. Auch hier ist WI-FI (W-Lan) vorhanden und einen Teil des Berichtes habe ich während der 2 1/2-stündigen Fahrt geschrieben.
In Tartu holte mich Tiiu, meine Kollegin der Schule in Elva ab. Sie ist, wie alle anderen Menschen, mit denen wir Kontakt hatten, äußerst nett. An dieser Stelle muss auch angemerkt werden, dass das Deutschniveau der Lehrerinnen sehr hoch ist.
Sie brachte mich mit ihrem Mann zum Motel Verevi, wo ich ein eher kleines Zimmer für die 14 Tage bezogen habe. Es gibt keinen Schrank, ein Bett mit zwei Nachtkästchen, einen Sekretär, wo mein Laptop raufpasst und Bad/WC. Mein Gewand hängt nun am Kleiderständer oder liegt am Bett bzw. wird im Koffer verbleiben.
Nun bin ich schon neugierig auf meinen ersten Schultag, wenn ich mit den Kindern arbeiten werde. Nähere Berichte und erste Eindrücke gibt es dann morgen.
Tere ohtust! (Guten Abend)
13.9.2009 - Schloss Kadriorg, ein Waldviertler Lied auf der Sängerbühne und Treffen mit den österr. Kolleginnen
Zuerst spazierte ich durch den 100 ha großen Park, traf wie gestern früh etliche Nordic Walker, Jogger und Biker, und suchte dann gleich noch meinen Weg weiter zur Sängerbühne. Die ist für ganz große Sängerfeste (wär was für Koll. Wendl!) gedacht, die nur einmal in fünf Jahren stattfinden, was heuer der Fall war. Dann steht auf der riesigen Bühne ein Chor mit bis zu 25.000 Sängerinnen und Sängern, was sicher imposant wirken mag. Ich stieg die 40 Stufen empor und stimmte das Lied "Im Woidviertler Woid" an - leider ohne Zuhörer oder Zuschauer, aber immerhin.
Das ist nicht, was ihr denkt, sondern ein ganz
simpler Busbahnhof.In einem riesigen Einkaufszentrum, die meisten Geschäfte haben auch am SO offen, versuchte ich ganz normale, weiße T-Shirts zu kaufen, was nicht möglich war, weil nur Marken- und Modegeschäfte (Esprit, CK, Zara, ...) zu finden waren.
Samstag, 12. September 2009
12.9.2009 - Langer Hermann, Dicke Margarete und die 3 Schwestern
Man braucht etwa zwei Stunden, um sich das ganze Areal mit seinen Häusern und Bauten anzuschauen. Der Fokus liegt hauptsächlich auf der Darstellung des bäuerlichen Lebens in den einzelnen Regionen des Landes, aber auch WIndmühlen, eine Kirche und eine Schule sind u.a. zu begutachten. In einigen davon sind Leute in Originalkostümen zu sehen und sie sind teilweise froh, wenn man ein paar Worte mit ihnen spricht. Ich habe daher sofort mit meine Estnisch-Kenntnissen gepunktet und das Herz einer ca. 70-Jährigen im Sturm erobert, als ich zu ihr "Tere hommikust" (Guten Morgen) sagte. Sie konnte aber nicht nur Estnisch, sondern auch Englisch und Deutsch, und so ergab sich ein nettes Gespräch.
Übrigens: Lehrer/innen beschwert euch nicht über euren Job! - Vor 120 Jahren war das Unterrichten ein Beibrot und man konnte davon alleine nicht leben (so wie bei uns). Der Hauptteil der Einnahmen entstammte der kleinen Landwirtschaft, die der Lehrer betrieb. Außerdem war er verpflichtet, dem Pfarrer zu assistieren, den Chor zu leiten und Theateraufführungen auf die Beine zu stellen.
Interessant ist auch, dass bei jedem Hof eine Sauna dabei war, und es auch heute noch das "Must-have" zu sein scheint! Man betitelte die Sauna auch als den Doktor der Bauern.
Die Beschriftungen sind hier übrigens vorbildlich: Estnisch, Russisch, Englisch und Deutsch.
Man beachte dieses Schild (besonders das mittlere unten), das ich vor der Rocca al Mare-Schule gesehen habe und für die Grünanlage gilt.
Dann mit dem O-Bus wieder zurück ins Zentrum und sofort rauf auf den Domberg bei herrlichem Wetter (nur mit T-Shirt im Gegensatz zu etlichen Esten, die mit Jacke und Pulli unterwegs waren - was machen die im Winter?). Von oben hat man einen guten Blick auf die Stadt, das Meer und .... die vielen Touristen.
Nachdem der Regen noch immer leicht anhält (woher kommt der eigentlich, es ist rundherum hell), gehe ich kurz ins Hotel zurück und treffe mich dann um 17 Uhr beim Rathaus mit Krista, in erster Funktion Vorsitzende des Estnischen Deutschlehrerverbandes, in zweiter "meine" Lehrerin, bei der ich in Tabasalu die 2. Hälfte meines Aufenthaltes verbringen werde. In einem kleinen Cafe plaudern wir über unsere Länder, ihre Schule, ihre Klassen und dies und das. Nach zwei Stunden verabschiede ich mich, um mit einer österreichischen Kollegin essen zu gehen. Um 1/2 10 ins Hotel zurück und den Tag Revue passieren lassen.
Head ööd! (Gute Nacht)

