Montag, 14. September 2009

14.9.2009 - Botschaftsempfang, Konferenzen, Nationalbibliothek und Zugfahrt nach Tartu




Nach dem wirklich schönen Wochenende beginnt nun die Arbeit.















Heute waren wir am Vormittag zu Gast in der österreichischen Botschaft, wo es in verschiedenen Vorträgen um das estnische Bildungssystem, D-Unterricht an den Schulen, bilingualen Unterricht (v.a. russisch / estnisch) und den Verband der D-Lehrer/innen Estlands gab.

Auf dem Foto: Die österreichische Delegation mit der äußerst netten Botschafterin Dr. Angelika Saupe-Berchtold.


Vielleicht an dieser Stelle für die interessierten Kolleg/innen ein paar Fakten (die anderen können ja weiter unten fortsetzen):

-) Die "richtige" Schule beginnt für die Kinder mit 7 und sie bleiben bis 16 gemeinsam in den Klassen (Kl. 1.-9.). Wer möchte, und das tun 60%, geht weiter bis zur 12. ins Gymnasium.

-) Die Zentralmatura gibt es hier schon 11 Jahre und auch die Schüler/innen, die mit 16 aufhören, machen eine zentrale Abschlussprüfung.

-) Alle Lehrer/innen haben eine Fortbildungspflicht von 150 Std. in fünf Jahren (= 30 p.a.)

-) Die Schulen genießen eine extrem hohe Autonomität: Die Schule stellt den eigenen Lehrplan zusammen, kann ein eigenes Benotungssystem einsetzen, sie hat einen eigenen Budgethaushalt und Mitarbeiter, inkl. Lehrer/innen, werden vom Direktor angestellt.

-) Ab der 6. Klasse (12, 13 J.) lernen die Schüler/innen eine 2. Sprache, mit 16 eine dritte.

Apropos Sprache: Im Estnischen gibt es aufgrund des deutschen Einflusses in der Geschichte etwa 10% an Lehnwörtern, wie z.B. mütz, saal, klass, trepp, printsess, pirn, supp, eesel, kleid, buss,....

Gesprochen wurde auch über das etwas belastete Verhältnis zur russischen Bevölkerungsgruppe, von denen viele trotz der langen Zeit noch immer nicht estnisch können. Nachdem sich das auch auf die Kinder auswirkt, ist eines der Bildungsziele, dass in den nächsten Jahre alle Schüler/innen estnisch so weit beherrschen, dass sie zumindest B1-Standard oder höher haben. In manchen Teilen Estlands, wie im Nordosten, wo es noch mehr Industrie gibt, ist das Verhältnis Russen zu Esten genau umgekehrt, nämlich 80:20, was natürlich einige Probleme mit sich bringt. Aber es wird daran gearbeitet und bedarf sicher noch einiger Zeit.


Auf dem Bild seht ihr meine Kollegin Krista, mit der ich im 2. Teil meines Aufenthalts zusammen-arbeiten werde. Sie ist die Vorsitzende des Verbandes der estnischen Deutsch-Lehrer/innen.









Am Nachmittag waren wir noch in der Nationalbibliothek, wo wir eine Führung hatten und uns den österreichischen Lesesaal ansehen konnten. Ja, so etwas gibt es da, ich habe in einem Buch sogar ein Bild von Heidenreichstein gesehen und sofort stolz hergezeigt.

Anschließend fuhr ich mit einer Mitarbeiterin des Bildungsministeriums, Frau Katrin Rein, die alles für unseren Aufenthalt perfekt organisiert hatte, mit dem Zug nach Tartu. Auch hier ist WI-FI (W-Lan) vorhanden und einen Teil des Berichtes habe ich während der 2 1/2-stündigen Fahrt geschrieben.

In Tartu holte mich Tiiu, meine Kollegin der Schule in Elva ab. Sie ist, wie alle anderen Menschen, mit denen wir Kontakt hatten, äußerst nett. An dieser Stelle muss auch angemerkt werden, dass das Deutschniveau der Lehrerinnen sehr hoch ist.

Sie brachte mich mit ihrem Mann zum Motel Verevi, wo ich ein eher kleines Zimmer für die 14 Tage bezogen habe. Es gibt keinen Schrank, ein Bett mit zwei Nachtkästchen, einen Sekretär, wo mein Laptop raufpasst und Bad/WC. Mein Gewand hängt nun am Kleiderständer oder liegt am Bett bzw. wird im Koffer verbleiben.

Nun bin ich schon neugierig auf meinen ersten Schultag, wenn ich mit den Kindern arbeiten werde. Nähere Berichte und erste Eindrücke gibt es dann morgen.

Tere ohtust! (Guten Abend)