Samstag, 12. September 2009

11.9.2009 - Lange Anreise nach Tallinn

Nach etwa 4 Wochen Vorbereitung, davon 3 Wochen in den Ferien, ging es heute um 5 Uhr früh los zu meiner mit Spannung erwarteten Aufgabe. Estland ist für mich ein relativ unbekanntes Land, wenngleich ich es durch unseren Wohnmobilurlaub im europäischen Norden (Südschweden), wo die Gegend teilweise sehr ähnlich ist, und das Studium des Reiseführers schon etwas näher kennengelernt.

Es warten zwei scheinbar sehr engagierte Deutschlehrerinnen auf mich, sowie eine Menge von Schüler/innen mit unterschiedlichsten Kenntnissen unserer Sprache, viele davon sind Anfänger. Aus diesem Grund habe ich zu Hause viel Zeit damit verbracht, mir Stunden, Spiele, Übungen für alle Fälle und Leistungsniveaus vorzubereiten. Das war zwar aufwändig, trotzdem hielt ich es angesichts der zu haltenden 25 Stunden für sinnvoller, als vor Ort dann in Eile verkrampft nach passenden Inhalten zu suchen. Zudem würden ja noch andere Termine auf mich zukommen, außerdem sollte ein wenig freie Zeit ja auch noch sein.


Vor Beginn der Arbeit an den Schulen schob ich durch meine frühe Anreise noch einen Extratag in Tallinn ein, von dem ich morgen berichten werde.

Heute, am 1. Tag, also Anreise: S-Bahn zum Flughafen, 8 Uhr Flug nach Berlin, dort 5 Stunden lange Wartezeit. Ein Problem war natürlich das Gepäck, denn für 4 Wochen Aufenthalt hat man schnell 20 kg beisammen. Bei Air Berlin hatte ich das Glück, dass man ab 28 Tagen 30kg mitnehmen kann, aber bei der Estonian Air mussten sie schon zwei Augen zudrücken, damit ich ohne Aufpreis davon kam. Um 15 Uhr Weiterflug nach Tallinn bei herrlichem Wetter, wo ich nach 1 1/2 Stunden Flug aufgrund der Zeitverschiebung von einer Stunde am frühen Abend ankam. Dann mit dem Taxi ins Uniquestay Mihkli Hotel (PC, TV, W-Lan im kleinen Zimmer), das in der Nähe vom Zentrum befindet. Was auffällt, ist die Tatsache, dass relativ wenig Verkehr ist - Freitag Nachmittag/Abend in Wien - beides gesehen, kein Vergleich.

Dann nur noch auspacken, Berichte schreiben, Internet einrichten, Skypen mit der Frau, und vor dem Schlafengehen noch ein Bier und - eine, wie sich herausstellte, sehr fette Spezialität - Knoblauchbrotstücke, die aber kurz im heißen Fett gebraten werden.


Und wer jetzt noch weiter lesen möchte, dem liefere ich noch ein paar "hard facts" über Estland:

Nach dem 1. Weltkrieg war das Land 20 Jahre eine unabhängige Republik, dann kam der 2. WK, danach Eingliederung ins Sowjetreich, seit 1991 wieder ein freies Land und seit 2004 ist es Mitglied der EU.

Estland, das sich mehr zum Norden als zum Osten Europas zugehörig fühlt, ist halb so groß wie Österreich, aber es leben mit 1,34 Mio. Menschen hier als in Wien. 400.000 davon leben in Tallinn, der Hauptstadt, ein Viertel der Bevölkerung sind Russen.

Es gibt 1500 Inseln, 1200 Seen, 20% des Landes sind von Sümpfen und Mooren bedeckt, 40% ist Waldgebiet, es bleibt also nicht mehr all zu viel über. Tja, und der höchste "Berg" ist gerade mal 318 Meter hoch, womit das Land nicht wirklich das Mekka der Alpinisten darstellt.

Der Peipus-See, der einen Teil der Grenze zu Russland im Osten bildet, ist 3.500 km² groß.

Man bezeichnet Estland auch als den "Tiger des Baltikums" und viel wurde und wird versucht, um die schlechten wirtschafltichen Jahre des Kommunismus hinter sich zu lassen. Seit den 90er-Jahren gibt es eine Bildungsoffensive und großzügige Förderung neuer Technologien. So haben alle Schulen schon lange tolle PC-Räume inkl. Internet, die Mehrheit der Esten machtn den Steuerausgleich online und nutzt Telebanking, überall gibt es kostenlosen Internetzugang und etliche Hot-Spots, und 2005 wurden die Kommunalwahlen mittels Internet durchgeführt.

Filme und Serien im TV werden meist in den Originalsprachen gesendet und maximal mit Untertiteln versehen, was die Sprachen durchwegs fördert.

Noch kurz zur - überaus schwierigen - Sprache: Estnisch gehört zu keiner der bekannten Sprachgruppen und hat mit dem Slawischen nichts zu tun, was auch eine Abgrenzung zum Osten darstellt, sondern wird zur finno-ugrischen Sprachfamilie gerechnet. Finnisch verhält sich zu Estnisch aber immer noch so wie Deutsch zu Holländisch. - Übrigens: Es gibt 14 Fälle!!


Zwei Dinge sind leicht, soweit ich das jetzt schon sagen kann, leicht zu merken: "Tere" heißt "Hallo" und Bier heißt "olu".


So, das war mein langer erster Bericht inkl. Geschichts- und Geographieausführungen. ;-)