Sonntag, 20. September 2009

19. und 20.9.2009 - Rundfahrten, Einladungen und Saunas

An diesem Wochenende wurde ich mehr als "beschäftigt" und man sorgte sich sehr um mein Freitzeitprogramm. Aber alles der Reihe nach.


19.9.2009

Zuerst holten mich Tiiu, ihr Mann und ihre Tochter am Samstag Vormittag ab und wir starteten zu einer Rundfahrt durch Südestland, die letztendlich 6 Stunden dauern sollte. Den Beginn machte der Besuch eines Ortes mit Kuranlage, die sehr idyllisch am so genannten heiligen See liegt. Nachdem das Wetter wieder sehr schön war, spazierten wir ein wenig durch das Gelände und warfen einen Blick in das Kurgebäude, das auch sehr beliebt ist bei finnischen Pensionisten.
In Voru machten wir einen Abstecher zur neu angelegten Seepromenade, wo im Sommer am feinen Sandstrand sicher eine Menge los ist. Hier in der Umgebung gibt es noch die Volksgruppe der Setu mit eigenem Dialekt und eigenen Traditionen. Mit einer Anzahl von etwa 8000 Personen sind sie aber im Verschwinden begriffen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir dann zum höchsten Berg Estland im Haanja-Naturpark, dem Suur Munamägi. Er war schnell erklommen, denn vom Parkplatz weg geht man max. zehn Minuten, bis man vor dem Aussichtsturm steht, bei dem man zwischen der Liftvariante (€ 3,50) und der Zu-Fuß-Variante (1 1/2 Min.) wählen kann. Meine Begleiter waren - man verzeihe mir das an dieser Stelle - schon völlig außer Atem wegen der Höhenluft, nahmen aber, nachdem ich mich für die Stiegen entschieden hatte, auch diesen Weg hinauf. Von oben hat man einen schönen Rundblick auf ganz Südestland, und es ist unglaublich, wie viel Wald hier ist. Man sieht praktisch nichts Anderes soweit das Auge reicht. Ach ja, der Berg ist 318 m "hoch".



Den Abschluss bildete ein kurzer Spaziergang zu den Sandsteinhöhlen im ursprünglichen Tal des Ahja-Flusses in Taevaskoja, wo man wandern und Kanu fahren kann.
Bei der Rückreise kamen wir wieder durch Ötepää durch, wo es ein Trainingszentrum für's Langlaufen, eine der beliebtesten Sportarten Estlands, gibt. Jedes Jahr findet in der Umgebung, von wo auch die beiden Weltklasseläufer Andrus Verpaluu und Jak Mae abstammen, ein Langlaufmarathon mit Tausenden Startern aus aller Welt statt.

Zu Hause ging ich noch eine knappe Stunde im T-Shirt laufen und wurde um 7 Uhr vom Direktor der Schule abgeholt. Er versteht Deutsch und seine Frau ist D-Lehrerin und Stellvertreterin an einer anderen Schule.

Nach dem Essen ging ich mit dem Direktor in die Sauna und danach plauderten wir noch einige Zeit über die Schule, unsere beiden Länder und dies und das. Bei der Verabschiedung gab mir die Hausherrin noch ein großes Stück Kuchen für das Frühstück mit. ;-)


Das Foto haben wir am SO Vormittag nachgeholt.






20.9.2009

Ein denkwürdiger Tag, denn heute waren wegen des Radmarathons (über 5.000 Teilnehmer!) einige junge Leute beim Frühstück. Um 1/2 12 traf ich mich mit Revo, dem Geschichtslehrer der Schule, zum Radfahren, und Lilia, die D-Lehrerin, brachte mir dankenswerter Weise das Rad ihres Mannes vorbei. Man bemüht sich sehr, mir meinen Aufenthalt angenehm zu machen und mich nicht allein zu lassen.

Mit Revo fuhr ich also 3 Stunden mit dem MTB und er zeigte mir viel von Elva und Umgebung, wie zum Beispiel den neu angelegten Energiepfad, der gesäumt ist von mehr als 30 großen Holzfiguren. Danach waren wir zum Essen bei Lilia und ihrem Mann eingeladen. Vorher waren wir aber noch in der Sauna und das spielt sich doch ein wenig ab als bei uns: Duschen (wie bei uns), dann setzt man sich ohne Handtuch auf die Holzbänke und es wird sofort aufgegossen, und immer wieder. Wenn die heißeste Phase nach dem Aufgießen vorbei ist, nimmt man ein Bündel Birkenzweige und beginnt sich am ganzen Körper zu schlagen! Das hat nun weniger mit Flagellantentum zu tun, als damit, durch das Bewegen des Birkenbuschens die heiße Luft noch mehr zum Körper zu bringen und durch das Hinschlagen die Durchblutung noch mehr zu fördern. Es erscheint dadurch noch um etliches heißer als wie in einer normalen Sauna. Eine durchaus interessante Erfahrung. In früheren Zeiten war die Sauna auch sowas wie ein geheiligter Ort, denn sie war rein und sehr hygienisch. Deshalb kamen dort oft die Kinder zur Welt und die Toten wurden hier gewaschen, Mädchen wurden auf die Hochzeit vorbereitet und Kranke wurden hier behandelt.


Tja, man lernt nicht aus. Übrigens, damit ihr wieder ein estnisches Wort erlernt: Prost auf Estnisch heißt Terviseks, was angeblich vom Lateinischen kommt und Prosit heißt. Wenn man aber das Wort zerlegt, dann heißt es Tervis - Gesundheit und Seks - Sex, was ja auch laut Angabe der Esten beides wichtig sein soll.