In den ersten beiden Stunden zeigte ich den 6. Kl. abgesehen von der Powerpoint-Präsentation über Österreich auch das mit meiner Klasse selbstgedrehte Kurzvideo mit dem Rundgang durch unsere Schule, was ebenfalls großen Anklang fand. Nachdem sie auf einem der Fotos die kurze Übung mit dem Kreissitzen (nur auf den Oberschenkel des Nachbarn) gesehen hatten, wollten sie das auch probieren - es funktionierte auch hier.
Neben einigen anderen Übungen mussten die Schüler/innen der 10. Klasse durch Fragen die Person erraten, deren Zettel an ihrem Rücken befestigt war.
Und das Foto oben mit den beiden Mädchen der 11. Klasse zeigt mich gerade bei der Preisverleihung (Mozartkugeln) an die Gewinnerinnen des Österreich-Quizzes. Wie leicht zu erkennen ist, freuen sie sich recht darüber (waren sie so nett, zumindest so tun, als ob sie sich freuten).
Tiiu zeigte mir im Anschluss auch die Werkräume der Mädchen und Knaben, die ebenso wie die Schulküche absolut top ausgestattet sind. Es gibt div. Bohr-, Hobel-, Drechsel- und Schleifmaschinen, Sägen, eine Schmiede, eine Ton- und Glasbrennerei, sowie Schweißgeräte!
Nach den obilgatorischen Freitagsfischstäbchen (auch nicht besser als bei uns) führte ich ein interessantes Gespräch mit der an der Schule arbeitenden Psychologin. Und auch in diesem Bereich kann sich Österreich was abschauen und muss sich etwas (auch aus meiner Erfahrung) ändern: Durchschnittlich betreuen Pscholog/innen etwa 600 Schüler und Schülerinnen. In ihrem Fall sind es ca. 1.000, wobei hier die Abendstudent/innen dazu kommen, also jene Erwachsenen, die ihren Abschluss nachholen oder ihre Ausbildung verbessern wollen. - Wenn ich da an die Quote bei uns in Österreich denke,....
Zu ihr kommen sowohl Kinder, die von Lehrer/innen oder den Eltern geschickt werden, sie geht aber auch in die Klassen und versucht systemisch zu arbeiten. Ältere Schüler/innen suchen sie oft schon alleine auf, sie arbeitet aber auch mit Eltern und ihren Kindern gemeinsam. Auch bei den Koferenzen ist sie manchmal dabei.
Abgesehen von der Psychologin gibt es auch eine Sozialarbeiterin, die sich um Fehlende, Sozialfälle, etc. kümmert, und die sich manchmal auch mit Polizeigewalt Zutritt zu den Wohnungen verschafft. Natürlich sind es hier auch nicht allzu viele, aber es gibt auch Fälle, wo den Eltern das Sorgerecht entzogen wurde, wie in einem Fall eines affälligen Jungen, den ich vom Unterricht kenne, der mit seinen 5 Schwestern im Kinderheim lebt. Leider ist auch Alkoholismus, nicht zuletzt wegen der erhöhten Arbeitslosenrate, ein Thema, was oft auch mit häuslicher Gewalt verbunden ist.
Positiv sei in diesem Zusammenhang auch angemerkt, dass an jedem Tag der Arzt in der Schule anwesend ist, ebenso der Zahnarzt, die einen Teil ihrer Ordinationszeiten (auch für die Öffentlichkeit) hier haben. Die Behandlungen der Kinder (auch Impfungen) sind gratis.
Wo sie meiner Meinung noch nicht so weit sind wie wir (aber da sind sicher nicht alle Lehrer/innen meiner Meinung), und was laut den Aussagen der Psychologin auch auf die Sowjetzeit zurückzuführen ist, betrifft den Umgang mit behinderten Menschen, die hier in Spezialschulen zusammengefasst sind (verbunden damit, oft auch weg von zu Hause müssen) oder häuslichen Unterricht erhalten.
Am Abend nahmen mich Lillia, eine Deutschllehrerin, und ihr Mann mit nach Tartu ins Konzerthaus, wo ein Cellokonzert mit Werken von Brahms und Dvorak am Programm stand.
Tja, und schon ist eine Woche vorbei!

