Samstag, 12. September 2009

12.9.2009 - Langer Hermann, Dicke Margarete und die 3 Schwestern

Nach einer ersten ruhigen Nacht in Estland und einem wirklich guten, absolut unserem "Standard" entstprechenden Frühstück, machte ich heute auf den Weg Tallinn auf eigene Faust zu erkunden. Mit dem Bus Nr. 6 (oder auch anderen), der gerade daher kam, fuhr ich die Viertelstunde raus zur Station Zoo und suchte mir meinen Weg zum Freilichtmuseum Rocca al Mare. Dies war nicht so einfach und ich musste zweimal nachfragen, da es keine Hinweisschilder gibt - zumindest solche, die ich entziffern hätte können. Die Leute können alle gut Englisch, so wie ich es auch in Schweden erlebt habe, und waren äußerst nett und freundlich. Daher ganz kurz ein Tipp für Nach-mir-Reisende: Links ist der Zoo, rechts ein Gebäudekomplex mit dem Namen Rocca al Mare mit vielen Shops, wo man aber Richtung Meer, rechts ist das Audi-Haus, weiter geht und dann der breiten Straße dem Meer entlang links folgt. Nach etwa 15 Minuten erreicht man das in einem Wald/Park gelegene Gelände.


Man braucht etwa zwei Stunden, um sich das ganze Areal mit seinen Häusern und Bauten anzuschauen. Der Fokus liegt hauptsächlich auf der Darstellung des bäuerlichen Lebens in den einzelnen Regionen des Landes, aber auch WIndmühlen, eine Kirche und eine Schule sind u.a. zu begutachten. In einigen davon sind Leute in Originalkostümen zu sehen und sie sind teilweise froh, wenn man ein paar Worte mit ihnen spricht. Ich habe daher sofort mit meine Estnisch-Kenntnissen gepunktet und das Herz einer ca. 70-Jährigen im Sturm erobert, als ich zu ihr "Tere hommikust" (Guten Morgen) sagte. Sie konnte aber nicht nur Estnisch, sondern auch Englisch und Deutsch, und so ergab sich ein nettes Gespräch.

Übrigens: Lehrer/innen beschwert euch nicht über euren Job! - Vor 120 Jahren war das Unterrichten ein Beibrot und man konnte davon alleine nicht leben (so wie bei uns). Der Hauptteil der Einnahmen entstammte der kleinen Landwirtschaft, die der Lehrer betrieb. Außerdem war er verpflichtet, dem Pfarrer zu assistieren, den Chor zu leiten und Theateraufführungen auf die Beine zu stellen.

Interessant ist auch, dass bei jedem Hof eine Sauna dabei war, und es auch heute noch das "Must-have" zu sein scheint! Man betitelte die Sauna auch als den Doktor der Bauern.

Die Beschriftungen sind hier übrigens vorbildlich: Estnisch, Russisch, Englisch und Deutsch.


Man beachte dieses Schild (besonders das mittlere unten), das ich vor der Rocca al Mare-Schule gesehen habe und für die Grünanlage gilt.






Dann mit dem O-Bus wieder zurück ins Zentrum und sofort rauf auf den Domberg bei herrlichem Wetter (nur mit T-Shirt im Gegensatz zu etlichen Esten, die mit Jacke und Pulli unterwegs waren - was machen die im Winter?). Von oben hat man einen guten Blick auf die Stadt, das Meer und .... die vielen Touristen.

Was habe in der Innenstadt noch gesehen: Die Domkirche, den "Langen Hermann" (ein 45 m hoher Turm), die Nevski-Kathedrale (russ.-orthodoxe Kirche, die bei den meisten Esten nicht so beliebt ist), Rathausplatz (mit Preisen in den Gasthäusern, die Wien übertreffen), viele schöne Gilde-, Bürger- und Handelshäuser, dann bei etwas Regen die "Dicke Margarete" (eine meterdicke Stadtpforte), die "Drei Schwestern" (drei unterschiedliche Häuser, die heute zu einem Hotel verbunden sind), etc.

Nachdem der Regen noch immer leicht anhält (woher kommt der eigentlich, es ist rundherum hell), gehe ich kurz ins Hotel zurück und treffe mich dann um 17 Uhr beim Rathaus mit Krista, in erster Funktion Vorsitzende des Estnischen Deutschlehrerverbandes, in zweiter "meine" Lehrerin, bei der ich in Tabasalu die 2. Hälfte meines Aufenthaltes verbringen werde. In einem kleinen Cafe plaudern wir über unsere Länder, ihre Schule, ihre Klassen und dies und das. Nach zwei Stunden verabschiede ich mich, um mit einer österreichischen Kollegin essen zu gehen. Um 1/2 10 ins Hotel zurück und den Tag Revue passieren lassen.

Head ööd! (Gute Nacht)